Was bedeuten Facebook Messages für E-Mail-Marketer?

Veröffentlicht am 20 Januar 2011 | von Stefan von Lieven

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Social Media ist zu einer zentralen Instanz geworden, welche die Art der Kommunikation und damit auch die Anforderungen an Dialogmarketing nachhaltig verändert. Mit Facebook Messages hat das weltweit populärste Social Network einen neuen Dienst vorgestellt, mit dem Nutzer Nachrichten aus unterschiedlichen Kanälen wie E-Mail, SMS oder Instant-Messaging kombinieren und austauschen können. Funktional wird es sich dabei um eine sehr vereinfachte Form von Nachrichten im Textformat handeln. Wesentlicher Unterschied zu bisherigen Lösungen: die Nachrichten werden nach Personen und in einer Ansicht des Unterhaltungsverlaufs sortiert - und nicht danach auf welchem Weg sie eingegangen sind. Nachrichten von in Facebook assoziierten Freunden werden dabei vor Nachrichten anderer Personen bevorzugt in der Inbox dargestellt. Letztere können für die weitere Kommunikation manuell in die bevorzugte Ansicht übernommen werden. Dies betrifft auch E-Mails, die im Facebook-Messages-Account empfangen werden - z.B. über die neu bereitgestellten E-Mail-Adressen Benutzername@facebook.com.

Dass @facebook dabei nicht ‚Yet-Another-Webmail‘ sein wird, zeigt eine aktuelle Umfrage unter US Online-Consumern über 13 Jahren („The Social Inbox: The Impact of Facebook Messages on Email Marketing“ von The Relevancy Group). Demnach wollen immerhin 9 Prozent ihren bisherigen primären E-Mail-Account künftig über Facebook nutzen. Insgesamt fast die Hälfte liebäugelt mit der Einrichtung eines Facebook E-Mail-Accounts.

Auch wenn diese Zahlen nur mit Abstrichen auf den europäischen Markt übertragbar sind und man einen gehörigen Anteil Vorab-Euphorie heraus rechnet (den Dienst hatte zum Zeitpunkt der Umfrage ja noch niemand ausprobiert), bleibt ein deutliches Ergebnis.

Mit Facebook Messages entsteht also eine spannende Kommunikationsplattform, die verschiedene Dienste wie klassische Nachrichten und Live-Chats kombiniert und vor allem durch die Marktposition von Facebook schnell eine relevante Dimension annehmen kann.

Worauf müssen sich E-Mail-Marketer einrichten?

Für das E-Mail-Marketing wird im Wesentlichen die Bevorzugung bekannter Kontakte zu einer konzeptionellen Herausforderung. Hier zählt einmal mehr eine authentische, relevante und persönliche Kommunikation – mit dessen Absender man sich auch sozial assoziiert (als Fan oder – das ist noch nicht sicher – über den Like-Button). Zumindest müssen E-Mails spannend genug sein, um aktiv als erwünscht markiert zu werden. Außerdem wird darstellungsbedingt mit Facebook Messages wieder – wie zuletzt mit mobilen Empfängern – die Text-E-Mail an Bedeutung gewinnen.

Die Entwicklung von Facebook Messages bleibt allerdings erstmal abzuwarten. Für Unternehmen besteht im E-Mail-Marketing somit kein aktueller Handlungsalarm. Denn Facebooks neuer Dienst bedeutet weder einen Ersatz für die klassische E-Mail noch den Wechsel der gesamten Kommunikation auf eine einzelne Plattform. Das verkündet sogar Facebook selbst und schlägt damit deutlich weniger revolutionäre Töne an als Google mit dem mittlerweile eingestellten Google Wave.

Mittelfristig sind jedoch übergreifende und integrierte Lösungen gefragt, welche technisch und konzeptionell den Dialog über alle Online-Kanäle - von E-Mail über Soziale Netze bis zu Apps - abbilden können. Nicht, weil nicht auch künftig jeder Online-Nutzer per E-Mail erreichbar wäre, sondern weil das Kommunikations- und Online-Nutzungsverhalten komplexer wird und für erfolgreiches Marketing als Ganzes erfasst werden muss.

Was also ist akut zu tun?

Marketer sollten Facebook Messages zunächst selbst als Nutzer ausprobieren und die Augen offen lassen! Neben der generellen Entwicklung des Dienstes wird es darauf ankommen, wie stark die eigene Zielgruppe Facebook Messages zur Kommunikation nutzt. Dies wird man messen können und so den wirklichen Handlungsbedarf erkennen. Bis dahin gibt es in der (E-Mail-) Marketingpraxis noch eine große Zahl viel wichtigerer Hausaufgaben.



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